M2.2: Transformation von Kraftwerksstandorten

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Wintersemester 2021/22

Dauer: zwei Semester

Inhalt

Revitalize Cultural Heritage

Eine neue lokale Identität auf Basis des kulturellen Erbes der vorherigen Epochen.

In Nord-Europa brachte die Industrialisierung ab Mitte des 19. Jahrhunderts in kurzer Zeit große Veränderungen mit sich. Vor allem der Umstieg auf maschinelle Produktion, ausgelöst vom technischen Fortschritt, ließ die Wirtschaft florieren. Dies hatte ein bedeutendes Bevölkerungswachstum zur Folge. Viele Ortschaften und Städte entwickelten sich explosiv. Im Zuge der Industrialisierung wurden fossile Brennstoffe nötig. In Deutschland und der Niederlande bot der Kohlebergbau die Möglichkeit, die benötigte Ressource Energiezu liefern. Die industrielle Architektur, die die Funktion der Bergbauarbeiten behaust, hat ein besonderes, eigenes geometrisches Größenverhältnis. Die Dimensionen der Bauten bedienen sich als Referenz für ihre Formensprache und Funktionalität eher dem Maß der Maschinen als dem des Menschen: Noch heute bilden die im 20. Jahrhundert entstandenen Kraftwerke Hochpunkte in dem, abgesehen von den Tagebaulöchern, homogenen Landschaftsbild des Rheinlands.

Während der Ausstieg aus dem Braunkohleabbau im Rheinischen Revier auf 2038 datiert ist, und viele andere Regionen in Deutschland sich erst noch im Prozess zur Einleitung eines Strukturwandels befinden, hat in den Niederlanden die Energiewende bereits vor 50 Jahren stattgefunden. Der Energiebedarf wurde nicht mehr durch Kohleförderung, sondern durch Gasförderung gedeckt. Die Steinkohleminen wurden geschlossen. Dies hatte sehr große wirtschaftliche Folgen für die vom Steinkohleabbau geprägte Region im Süden der Niederlande, in der die Bevölkerungszahl gerade aufgrund des Bergbaus explosiv gewachsen war. Es wurde versucht eine neue lokale Wirtschaft zu entwickeln. Alle dem Bergbau zugehörigen Bauten und damit verbundene Infrastrukturen wurden geräumt. Damit einhergehend wurde aber auch das kollektive Gedächtnis an diese Epoche nahezu ausgelöscht:

Zu spät wurde erkannt, dass diese Bauten einen entscheidenden Teil des kulturellen Erbes der Region ausmachten. Neben einem Kulturerbe-Status im Sinne der Erinnerungskultur hätten sie mithilfe eines Nachnutzungskonzeptes als Standort für einen neuen Wirtschaftszweig und somit als Fundament für die Zukunft der Region dienen können.

Die Lausitz, im Osten Deutschlands gelegen, gilt als Referenzregion für einen gelungenen Kohleausstieg und einen bereits eingeleiteten Strukturwandel:

Basierend auf einem gemeinsamen Leitbild wurden modellhafte Maßnahmen und eine ambitionierte regionale Entwicklungsstrategie entwickelt. Die vielen Bergbaugruben des Tagebaus sind hier teils mit Regenwasser verfüllt worden, wodurch sich im Laufe der Jahre eine neue Seenlandschaft entwickeln wird, die touristisch attraktiv ist und wirtschaftlich neue Chancen bringt:

Sowohl die Grenzlage der Lausitz mit der lokalen, gemeinsamen, grenzüberschreitenden Geschichte des Bergbaus als auch die Anwesenheit bestehender Artefakte in Form der Energie-Kraftwerke machen es möglich, eine neue Touristenzielgruppe anzusprechen. Diese Zielgruppe entspricht nicht dem Konsumtourismus, sondern dem kosmopolitischen Kulturtourismus. Hier wurde das Erbe der Kohleindustrie erfolgreich als Kulisse einer neuen Zukunft genutzt, ohne die Vergangenheit auszulöschen.

Aufgrund des europäischen Klimaabkommens 2020 wird in Deutschland der Kohleausstieg landesweit durchgesetzt werden. Für die Bewohner des Rheinischen Reviers bedeutet dies einen Strukturwandel bis zum vollständigen Kohleausstieg 2038 vorzubereiten. Während sich die Zukunftsagentur im Rheinischen Revier auf den Weg zu einem neuen Raumbild für die Region macht, gilt es, sich die Region in einzelnen Fragmenten anzuschauen, wie den Kernbereich der postindustriellen Landschaften der drei Tagebaulöcher oder einzelne Standorte wie Landmarken. Entscheidend könnte dabei die Aufgabe zur Erarbeitung von Umnutzungskonzepten für Energiekraftwerke (Frimmersdorf, Neurath, Niederaußem, Weisweiler, Knapsack) sein, die Trittsteine im Gesamtleitbild werden könnten.

Termine und weitere Informationen entnehmen Sie RWTHonline.

 

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