M2/M3: Stadtplanung – Revitalisierung der Essener Innenstadt

  Perspektive einer leeren Shoppingstraße Urheberrecht: © städtebau

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Anne Söfker-Rieniets

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Koordinatorin Forschung

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Sommersemester 2022

Dauer: ein Semester

Inhalt

JA NEIN VIELLEICHT

Innenstadtentwicklung im Aushandlungsprozess zwischen Kultur und Leistung, Gebäude und Freiraum, Gesellschaft und Natur

Einführung

Bis heute prangt in großen Lettern über dem Handelshof am Eingang zum Essener Innenstadtzentrum der Titel: „Essen – Die Einkaufsstadt“. Lange Zeit konnte man das hier gut: Einkaufen. Bereits seit längerer Zeit nimmt die Einkaufsqualität allerdings stark ab. Durch die Corona-Pandemie beschleunigt schlossen immer mehr Geschäfte, große Warenhäuser an prominenten Orten in der Innenstadt hinterließen große brachliegende Gebäude und selbst das zum Zwecke der Belebung der Fußgängerzone erbaute Einkaufszentrum Limbecker Platz hat mit enormen Leerständen zu kämpfen. Was tun?

Der stationäre Einzelhandel, für den über Deutschland verteilt etliche Kilometer Fußgängerzone eingerichtet wurden, verliert an Kunden. Vor allem die inhabergeführten Geschäfte, die den Zentren einen unverwechselbaren Charakter verleihen, sterben aus. Mittlerweile ziehen sogar die großen Ladenketten, die die Einkaufsstraßen deutscher Städte dominieren, ab.

Die Diskussion hat sich lange um die Frage gedreht, wie man dem stationären Einzelhandel helfen, wie man die Qualität dieses Einkaufens den Menschen wieder bewusst machen kann, wie Online-Shopping reduziert werden oder dem stationären Einzelhandel im Zusammenspiel zu Gute kommen könnte. Doch dann kam die Covid-19-Pandemie und beschleunigte das Geschäfte-Sterben nochmals. Die Diskussion dreht sich seitdem endlich nicht mehr nur um das Einkaufen. Es wurde erkannt, dass auch das Innenstadtzentrum wesentlich resilienter würde, wenn hier Nutzungen möglich wären, die über den Tages- und Wochenverlauf, über die verschiedenen Jahreszeiten hinweg eine intensive und vielfältige Inanspruchnahme des Zentrums garantieren. Denn das Zentrum besitzt eine besondere Rolle im städtischen Gefüge, das nicht nur räumlich als Verdichtung, als Mitte über besondere zentrumsrelevante Funktionen verfügen kann. Das Zentrum steht mit seinem großzügigen öffentlichen Raum in der Mitte der Stadt für die demokratischen Aushandlungsprozesse der gesamten Stadt-Gesellschaft in gleichem Maße zur Verfügung. Der Freiraum des Zentrums besitzt zu dem die Kompetenzen, die Freiräume an sich zu leisten vermögen: Er kann auch hier Verkehrsweg und Aufenthaltsort, Spiel- und Sportplatz, Ökosystem und Naturraum sein. Zudem sind seine Leistungen nicht nur funktional, auch baulich-räumlich besitzt das Zentrum eine baukulturelle Relevanz, die stellvertretend für die Gesamtstadt einen Querschnitt durch seine Geschichte zeigen kann.

Mittlerweile sucht die Stadt Essen händeringend nach einem anderen Titel. Der Vorschlag „Essen - Die Folkwangstadt“ soll kurzfristig im Rat beschlossen und zunächst temporär umgesetzt werden. Ein Vorschlag eines Bürgers „Essen diese“ hat aus der Bürgerschaft in den sozialen Medien bisher die meisten Stimmen erhalten.

Aufgabenstellung

Die große Verfügbarkeit von Gebäudeflächen und der hohe Anteil von öffentlichem Raum im Innenstadtzentrum von Essen bieten hervorragende Voraussetzungen für eine grundlegende Transformation. Doch hierfür ist zunächst zu definieren: Was soll und muss es leisten, dieses Innenstadtzentrum, um langfristig bestehen zu können? Was brauchen Menschen und Natur, damit dieses Zentrum einen Beitrag zu einem resilienten, gesunden, belebten Ort für alle wird? So werden in Schritt 1 diese Ziele im Rahmen einer offenen Diskussion zwischen allen Teilnehmern definiert. Unterstützt werden wir dabei von Experten zu unterschiedlichen Themen, die das Innenstadtzentrum betreffen. Außerdem werden wir uns ausgiebig in Essen aufhalten, entdecken, erforschen, um uns ein umfassendes Bild zu machen. Die Stadt Essen hilft und dabei.

In Schritt 2.1 werden wir uns den von der Stadt Essen vorgeschlagenen Fokusräumen zuwenden. In Gruppen, bestehend aus maximal 4 Studierenden sollen die zukünftige Nutzung der Gebäude und des Freiraums entwickelt werden. Dabei vertritt je eine Hälfte der Gruppe die Qualifizierung des öffentlichen Raums bzw. der Gebäude.

Im Schritt 2.2, der im fließenden Übergang zu Schritt 1 beginnt, soll eine Gesamt-Innerstädtische Konzeption entwickelt und sukzessive mit den Erkenntnissen aus Schritt 2.1 fortgeschrieben werden. Dabei werden aus den Fokusräumen abgeleitete Konsequenzen für den Verkehr und die verschiedenen Verkehrsarten, die räumliche Weiterentwicklung der Innenstadt über den Ring hinaus und die Integration wichtiger Elemente in das Zentrum hinein betrachtet. In Gremien zu diesen sektoralen Themen treffen sich Vertreter der Fokusräume, um diese Themen zu diskutieren und zu entwickeln.