M1: Neologismen des Städtebaus

  Das Titelbild zeigt eine Collage aus „Pommesbude“ als Dritten Ort vor einer Wohnanlage in Herne sowie einem Neologismus wie „Vertical Farming“ im Vordergrund. Im Bildhintergrund soll die Umnutzung von Kühltürmen eins Kraftwerks auf eine ortspezifische Ty © städtebau  

Sommersemester 2022

Dauer: ein Semester

Inhalt

Die Architektur referenziert bisher ausschließlich das materielle Kulturerbe in Entwurfsprozessen. Dabei gilt es meist die entscheidenden Fragmente der Urform einer Typologie zu identifizieren, sich ihrem Formen-Repertoire zu bedienen und anschließend eine Neuinterpretation ausgewählter Elemente im Entwurfsprozess zu überführen. 

Mobility Hub, vertical farming, urban gardening und shared spaces…
- Anglizismen für nachhaltige, innovative und soziale Räume prägen seit einigen Jahren den Wortjargon im Städtebaudiskurs des 21. Jahrhunderts: Entstandene Neuschöpfungen von Typologien, „Hardware“ wie Hubs in der Quartiersentwicklung und Jokerrooms im Wohnungsbau, deren Herleitung oftmals eine unveränderte Ableitung aus Referenzprojekten des gleichen Jahrzehnts darstellen.

Die Berücksichtigung des immateriellen Kulturerbes als „Software“ und der jeweilige regionale Bezug scheint als Kontextualisierung im Transfer undifferenziert. Zeit die Frage zu stellen: 
Wie lässt sich im Entwurfsprozess der neuen „Hardware“ die „Software“ gemeinschaftlicher Funktionen ortsspezifisch berücksichtigen?

Pommesbude, Kleingartenverein, Bolzplatz, MGOs, Gemeindezentrum…
- Schon Ende der 80-er Jahre bracht der Soziologe Ray Oldenburg für eine solche „Software“ den Begriff des „Dritte Orte“ in Umlauf, mit denen er Orte zwischen Zuhause und dem Arbeitsplatz beschrieb, welche im unterschiedlichen Maß acht Charakteristiken aufwiesen: 
Sie sind neutraler Grund, hier gibt es keine sozialen Unterschiede (Niedrigschwelligkeit), es gibt ein Stammpublikum, Konversation sind erwünscht, der Ort ist immer erreichbar, die Funktion steht über der Optik, die Stimmung ist Spielerisch, es ist wie ein zweites Zuhause.  

 Die vorherrschende „Software“ scheint dabei meist „Bottom-up“ von den BenutzerInnen über den Entstehungszeitraum hinaus kreiert und weniger von ArchitekInnen und PlanerInnen entworfen.

„Neologismen des Städtebaus“ möchten beides sein: eine zu entwerfende „Hardware“ als innovative Hülle, eine „Software“ für ein soziales Programm als Kern. – ortsspezifisch für BenutzerInnen einer Region.

Collin Rowe und Fred Koette näherte sich mit „Collage City” der Frage nach Neuschöpfungen von Bautypologien der Modernen aus Planerischer sowie Theoretischer Perspektive. Ihr Vorgehen ermöglichte einerseits den kritischen Vergleich und andererseits bringen sie neue Sichtweisen im Umgang mit dem Entwerfen von Typologien hervor. 
Aufgabe
Im Format „Neologismen des Städtebaus“ sollen daher einerseits Neuschöpfungen wie Hubs grafisch aufgearbeitet und kritisch reflektiert werden und andererseits für den Entwurf weiterentwickelt werden.

Aufgabe

Im Format „Neologismen des Städtebaus“ sollen daher einerseits Neuschöpfungen wie Hubs grafisch aufgearbeitet und kritisch reflektiert werden und andererseits für den Entwurf weiterentwickelt werden.

 In einem zweiten Schritt soll Mithilfe der Technik der Collage die „Hardware“ (die Neuschöpfungen) mit der „Software“ (einer Auswahl an Dritten Orten, die bereits in der Forschungsfeldreihe „derive“ analysiert wurden) in einem Workshop-Format zu neuer Typologie entwickelt werden.

Im Anschluss sollen die im Workshop erarbeitete neuen zukunftsweisende Typologien in einem letzten Schritt durch die Grundstückswahl in einer der drei Regionen (Rheinisches Revier, Ruhrgebiet, Lausitz) als ortsspezifische Typologien entworfen werden.
 

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[1] Oldenburg, Ray (1999): The Great Good Place: Cafes, Coffee Shops, Bookstores, Bars, Hair
        Salons,and Other Hangouts at the Heart of a Community:  3. Aufl., Cambridge Massachusetts:
       Da Capo Press.

[2] Rowe, Colin, and Fred Koetter (1983): Collage city. (18. Ausg.) Cambridge, Mass, MIT Press

 

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