Transurbane Konsumräume : Typologie und Ästhetik großflächiger Einzelhandelsaggregate in der deutschen Zwischenstadt unter besonderer Berücksichtigung gebauter Beispiele von 1990 bis 2007

  • Transurban spaces of consumption : typology and aesthetics of large-scale retail aggregates in the German in-between city particularly considering built examples from 1990 to 2007

Winterhager, Robert; Wachten, Kunibert (Thesis advisor)

Aachen : Publikationsserver der RWTH Aachen University (2008)
Doktorarbeit

Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 2008

Kurzfassung

Transurbane Konsumräume sind eine Unterkategorie des halb städtischen, halb ländlichen Raumes, den der Städtebauer und Theoretiker Thomas Sieverts 1997 so treffend als Zwischenstadt gekennzeichnet hat. Transurbane Konsumräume sind ein Sammelbegriff für die städtebaulichen und architektonischen Erscheinungsformen die im Gefolge der Suburbanisierung des Einzelhandels in Deutschland seit 1960 entstanden sind. Diese Grundlagenstudie liefert die erste schlüssige und umfassende Darstellung einzelhandelsbestimmter Räume in der deutschen Zwischenstadt aus der Perspektive von Städtebauern und Architekten. Die Studie gründet auf drei Säulen, gebildet durch Chronologie, Typologie und Feldstudien. In der Chronologie Transurbaner Konsumräume werden die Entstehungsbedingungen dieser Raumkategorie erforscht und von 1950 bis 2007 nachgezeichnet. Dabei werden sowohl einzelhandelsendogene als auch einzelhandelsexogene Einflussfaktoren berücksichtigt. Im Ergebnis der chronologischen Betrachtung lässt sich konstatieren, dass die Jahrhunderte alte enge Bindung des Einzelhandels an die Stadt in Teilen verloren gegangen ist. Der Massenkonsum ist damit als eine wichtige städtebauliche Richtkraft im zwanzigsten und einundzwanzigsten Jahrhundert zu sehen. In der Typologie Transurbaner Konsumräume werden acht prototypische Zentren- und Lagetypen des außerstädtischen Einzelhandels definiert und nach standort- und funktionsorientierten Kriterien analysiert. Diese definitorische Fassung wird ergänzt durch Betrachtungen zur Entwicklung des jeweiligen Zentren- oder Lagetyps und je drei kurze Fallstudien zu gebauten Objekten. Die Typisierung unterscheidet zwischen Universellen Zentrentypen, Transgredient-Zwischenstädtischen Zentrentypen und Strukturbedingt-Zwischenstädtischen Zentren- und Lagetypen des außerstädtischen Einzelhandels. Universelle Zentrentypen sind relativ standortunabhängig und können in der Innenstadt, an der Peripherie oder auf der Grünen Wiese erfolgreich betrieben werden. Zu dieser Gruppe Einkaufszentren und Urban-Entertainment-Centers. Transgredient-Zwischenstädtische Zentrentypen sind in der Zwischenstadt entstanden, rücken aber im Zuge eines qualitativen Trading-Up langsam in die Innenstädte vor. Diese Gruppe umfasst Fachmarktzentren, Marken- und Unternehmenswelten und Fabrikverkaufszentren. Strukturbedingt-Zwischenstädtische Zentren- und Lagetypen können sich aufgrund ihrer Sortimente und ihres Flächenbedarfs nur am Rande oder außerhalb der Städte ansiedeln. Dazu zählen Unipolare und Multipolare Großflächenagglomerationen, Automalls und Big-Boxes in Peripherer Streulage. Die dritte Säule der Arbeit sind detaillierte Feldstudien zu ausgewählten Objekten, die jeweils einen spezifischen Baustein der Typologie Transurbaner Konsumräume näher untersuchen. Die gestaltorientierte Analyse Transurbaner Konsumräume fokussiert auf Kontext (historisch, politisch, gesellschaftlich), Struktur (Städtebau, Architektur) und Ästhetik (Gestaltwirksamkeit der Ökonomie, des Gebrauchs und der Inszenierung) der einzelnen Beispiele. Objekte der Untersuchung sind: das Einkaufszentrum Nova Eventis bei Leipzig, das Fabrikverkaufszentrum Wertheim Village, die Autostadt Wolfsburg, drei Fachmarktzentren im Raum Frankfurt/Rhein-Main, die Automall Automeile Höherweg, zwei Gewerbegebiete im Köln-Bonner Raum sowie ein Möbelzentrum bei Köln. Aus diesen detaillierten Analysen wird eine Kritik der Ästhetik Transurbaner Konsumräume formuliert, die in drei Kernpunkten besteht. Diese sind: 1. Die Komplexitätsreduktion durch städtebauliche Kontextverweigerung, 2. Die Homogenisierung gebauter Raumbilder und die Exklusion nicht konsumkonformer Nutzungsarten und Nutzergruppen, und 3. Die Substitution von Urbanität durch Hyporealität. Im Ausblick auf die weitere Entwicklung bedeuten diese Kritikpunkte, dass die Unterscheidung von Innenstadt und Zwischenstadt, zumindest bei den konsumbestimmten Räumen, in Zukunft abnehmen wird. Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass einer raumbildlichen Pseudo-Urbanisierung der Zwischenstadt eine Transurbanisierung der Innenstadt entgegensteht, die insbesondere durch den Siegeszug der Einkaufszentren und Fachmarktzentren verursacht wird. Die Arbeit schließt mit einem Appell an Städtebauer und Architekten, die Entwicklung Transurbaner Konsumräume aktiver zu gestalten und zu steuern. Als Leitideen für den zukünftigen Umgang mit dieser Raumkategorie werden Kooperation, Integration, Hybridisierung, Konnektivität und Gestaltqualität formuliert.

Einrichtungen

  • Lehrstuhl für Städtebau und Entwerfen und Institut für Städtebau und europäische Urbanistik [212410]

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